Was ist Sucht?

Sucht ist eine Krankheit

Das Bundessozialgericht urteilte 1968, dass Trunksucht eine zu behandelnde Krankheit ist. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Krankheitscharakter der Sucht zu beschreiben. Die „psychosoziale Definition“ beschreibt sie wie folgt:

„Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand“, so der Suchtmediziner Prof. Klaus Wanke: „Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums.“

Es ist heute jedoch möglich, für jeden suchtkranken Mann und jede suchtkranke Frau eine individuell ausgerichtete Behandlung zu finden. So gibt es Beratungsstellen, Fachkliniken und Selbsthilfegruppen, die verschiedenartige Hilfen und Interventionen zu unterschiedlichsten Zeitpunkten in einer nicht vorgeschriebenen Reihenfolge leisten, um zu einer (Problem-)Lösung zu kommen. Ungefähr 80.000 Entwöhnungsbehandlungen werden jährlich in Deutschland durchgeführt.
Ziel aller Hilfeangebote ist: Eine zufriedene Lebensgestaltung ohne Suchtmittel.

Sucht ist eine Familienkrankheit

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ist nicht nur der suchtkranke Mensch allein betroffen, sondern immer auch sein soziales Umfeld. Geht man von durchschnittlich drei Angehörigen pro Abhängigem oder missbräuchlichem Konsumenten aus, kann die Zahl der Partner/innen, Kinder, Eltern, Geschwister von Suchtkranken auf etwa 18 Millionen geschätzt werden.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) weist darauf hin, dass deutschlandweit ca. 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil und rund 40.000 bis 60.000 Kinder mit einem drogenabhängigen Elternteil aufwachsen. Diese Kinder haben ein sechsfach höheres Risiko für die spätere Entwicklung einer eigenen Suchterkrankung. Sie sind auch hinsichtlich anderer psychischer Störungen mit einem überdurchschnittlichen Risiko behaftet und benötigen daher gesonderte spezifische Hilfen.

Rückfall

Untersuchungen zur Rückfallhäufigkeit zeigen, dass Rückfälle die Regel sind und nicht die Ausnahme. Ein Rückfall gehört zum Krankheitsbild des Alkoholismus. Mindestens die Hälfte der Abhängigen hat vier Jahre nach einer Behandlung einen Rückfall. Weil dies als Chance und nicht als Katastrophe begriffen werden muss, geht es darum, den Rückfall zu entdramatisieren und konstruktive Bewältigungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

Die Selbsthilfe leistet hier bereits sehr gute Arbeit. So bleiben bei kontinuierlichem Anschluss an eine Sucht-Selbsthilfegruppe 70 bis 80 Prozent der Alkohol- und Medikamentenabhängigen abstinent. Auf der anderen Seite werden Selbsthilfegruppen nach Rückfälligkeit eher gemieden, obgleich sie gerade für das Wiedererlangen der Abstinenz sehr hilfreich sind. Das Thema ist mit großen Ängsten besetzt, in den Gruppen wird nicht offen und selbstverständlich mit dem Thema Rückfall umgegangen. Oftmals sind die Gruppen mit Rückfällen überfordert. Noch immer ist das klassische Verständnis des Rückfalls der, dass er als Ausdruck von Willensschwäche, Alkoholverlangen oder Uneinsichtigkeit gilt. Das Rückfall-Thema muss daher einen breiten Raum in den Selbsthilfegruppen einnehmen, damit die Abhängigen über ihre Ängste und Wünsche offen sprechen können.